{"id":80746,"date":"2018-10-11T10:21:14","date_gmt":"2018-10-11T10:21:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.azconni.de\/?p=80746"},"modified":"2018-12-20T12:27:31","modified_gmt":"2018-12-20T12:27:31","slug":"novemberrevolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.azconni.de\/en\/novemberrevolution\/","title":{"rendered":"100 Jahre Novemberrevolution &#8211; Alle Macht den R\u00e4ten?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-81013\" src=\"https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-rls-483x1024.png\" alt=\"\" width=\"483\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-rls-483x1024.png 483w, https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-rls-142x300.png 142w, https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-rls-768x1628.png 768w, https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-rls.png 1601w\" sizes=\"(max-width: 483px) 100vw, 483px\" \/><em>eine Veranstaltungsreihe im Herbst 2018<\/em><\/p>\n<div class=\"ace-line\">\n<p><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">Vo<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">n der<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> euphorischen<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\"> Stimmung des<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> Aufbruch<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">s<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> in den <\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">Ersten<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> Weltkrieg hatten das<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\"> millionenfache Sterben und Leiden in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben, das Hungern in den D\u00f6rfern und St\u00e4dten der &#8220;Heimatfront&#8221; und die allseitige Pr\u00e4senz der Milit\u00e4rdiktatur der Obersten Heeresleitung kaum noch etwas \u00fcbrig gelassen, als am 29. Oktober 1918 der Befehl zum Auslaufen der in Wilhelmshaven versammelten Hochseeflotte erging. Mit einer letzten Enstcheidungsschlacht zur See erhoffte die deutsche Generalit\u00e4t, die sichere Kriegsniederlage doch noch abwenden zu k\u00f6nnen<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> &#8211;<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\"> oder zumindest in Ehren unterzugehen. Tausende von Matrosen jedoch waren nicht bereit, ihr Leben f\u00fcr das Kaiserreich und seine Werte zu geben &#8211; und meuterten.<\/span><\/p>\n<p>Zwar gelang es der Milit\u00e4rf\u00fchrung kurzzeitig, die Unruhen unter Kontrolle zu bringen sowie die Meuternden in Kiel und Bremen in Arrest zu nehmen &#8211; der revolution\u00e4re Funke aber war entfacht. Spontan bildeten sich in Kiel Soldatenr\u00e4te, die Unterst\u00fctzung von sich solidarisierenden Arbeiter*innenr\u00e4ten erhielten. Gemeinsam errangen sie bis zum 5. November die Freilassung der Gefangenen und die Hoheit \u00fcber die Stadt. Ein Anfang war gemacht.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"ace-line\"><\/div>\n<div class=\"ace-line\">\n<p><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">Wie ein Lauffeuer breitete sich das Kieler Vorbild nun in den St\u00e4dten Norddeutschlands aus, von wo es am 9. November auch die Reichshauptstadt Berlin erreichte. \u00dcberw\u00e4ltigt vom Druck der Ereignisse entschied Reichskanzler Max von Baden eigenm\u00e4chtig die Abdankung des Kaisers zu erkl\u00e4ren und die Regierungsgesch\u00e4fte an die st\u00e4rkste Parlamentsfraktion, die SPD, zu \u00fcbertragen. So reibungslos die Absetzung der Monarchie bis hierhin verlief, so steinig sollte die Entstehung der Republik nun werden. Dies zeigte schon ihre doppelte Proklamation durch Scheidemann (SPD) und Liebknecht (USPD\/Spartakusbund).<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>W\u00e4hrend gro\u00dfe Teile der SPD unter ihrem Parteivorsitzenden Ebert die Schaffung eines liberalen Verfassungsstaats erstrebten, forderten vor allem die revolution\u00e4ren Arbeiter*innenr\u00e4te der Gro\u00dfst\u00e4dte den politischen Systemwechsel zu einem gesamtgesellschaftlichen Wandel voranzutreiben und die sozialistische R\u00e4terepublik Wirklichkeit werden zu lassen. Sowohl SPD, als auch USPD waren anfangs bem\u00fcht, die Einheit der Arbeiter*innen als Grundlage ihrer Herrschaft zu erhalten. Schon im Dezember aber \u00fcberlagerte der Konflikt \u00fcber die Staats- und Gesellschaftsform die allt\u00e4gliche Regierungsarbeit derart, dass ein Bruch der am 10. November von den Berliner Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten best\u00e4tigten \u00dcbergangsregierung von SPD und USPD erfolgte.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"magicdomid14\" class=\"ace-line\">\n<p><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">In Sorge vor einer drohenden &#8220;Bolschewisierung&#8221; der Verh\u00e4ltnisse paktierte die SPD unter der Parole &#8220;Ruhe und Ordnung&#8221; nun immer enger mit den alten Eliten des Obrigkeitsstaates. Die am Anfang der Revolution stehenden W\u00fcnsche nach einer Sozialisierung der Wirtschaft und einer tiefgreifenden Demokratisierung des Staates gerieten dabei ins Hintertreffen. Aus Entt\u00e4uschung \u00fcber diese Entwicklung sowie aufgrund der grassierenden materiellen Not versuchten die Verfechter*innen des R\u00e4tesystems\u00a0 mit immer neuen Ans\u00e4tzen seine Durchsetzung zu erreichen &#8211; doch egal ob in Berlin (Januar 1919), im Ruhrgebiet (Februar bis April 1919), in M\u00fcnchen (April\/Mai 1919) oder nochmals im Ruhrgebiet (M\u00e4rz\/April 1920), das Ergebnis war immer das gleiche: die blutige Niederschlagung der Aufst\u00e4nde durch Regierungstruppen<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> und Freikorps<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">Die revolution\u00e4ren Ereignisse in Deutschland ab November <\/span><span class=\"author-a-m2ebvnvoz69z5vz77zz122z7bz71z\">19<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">18 stehen in enger Verbindung zu anderen revolution\u00e4ren Versuchen nach dem <\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">Ersten<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> Weltkrieg und sind<\/span> <span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">heute <\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">trotz ihrer progressiven Ans\u00e4tze zur gesellschaftlichen Neugestaltung<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\"> wenig beachtet. Aus Anlass ihres 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums haben wir deshalb eine Veranstaltungsreihe organisiert.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"magicdomid142\" class=\"ace-line\"><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">Zum Auftakt der Reihe setzt <strong>Bini Adamczak<\/strong> die <strong>russische Oktoberrevolution in ein kritisches Verh\u00e4ltnis zu den Revolten von 1968<\/strong>. Ihre Herangehensweise unterstreicht auch unser Anliegen: Aus der Vergangenheit f\u00fcr die Zukunft lernen. Danach widmen wir uns in zwei <\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">Einf\u00fchrungsv<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">eranstaltungen den <strong>&#8220;verfeindeten Br\u00fcdern&#8221; Kommunismus und Anarchismus<\/strong><\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">. Denn sowohl der kommunistische Anspruch auf Inbesitznahme und gemeinschaftliche Verwaltung der Produktionsmittel, als auch der anarchistische Wunsch nach einer m\u00f6glichst herrschaftsfreien Organisation des Politischen kulminieren auf fruchtbare Weise in den R\u00e4teversuchen der Revolutionszeit. Im weiteren Verlauf der Reihe wenden wir uns sodann den konkreten Ereignissen und ihren Akteur*innen zu. Beginnen werden wir mit einem Dokumentarfilm \u00fcber die <strong>M\u00fcnchner R\u00e4terepublik<\/strong> &#8211; scheint doch gerade in ihrem Zustandekommen und ihrem blutigen Niedergang\u00a0 noch einmal die gesamte Geschichte der sog. Novemberrevolution auf nur wenige Monate verdichtet worden zu sein. Im Anschluss daran wird uns ein historischer Vortrag von den <strong>Anf\u00e4ngen des Novembers 1918 bis ins Jahr 1923<\/strong> f\u00fchren<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">;<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\"> dem Jahr, <\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">in dem <\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">sich die Weimarer Republik nach zahlreichen gescheiterten Aufst\u00e4nden und Putschen sowie einer schwerwiegenden W\u00e4hrungskrise zu stabilisieren begann. <strong>Welche konkreten Ideen zur Gestaltung der neuen Gesellschaft linke Parteien und Organisationen in der Revolutionszeit entwickelten und warum sie mitunter alle scheiterten, wird Thema unser<\/strong><\/span><strong><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">er<\/span><\/strong><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\"><strong> vorletzten Veranstaltung sein.<\/strong> Den diskursiven Abschluss <\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">wollen<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\"> wir schlie\u00dflich mit euch <\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">gemeinsam <\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\">begehen. Unter der Fragestellung &#8220;Alle Macht den R\u00e4ten?&#8221; wollen wir die Veranstaltung<\/span><span class=\"author-a-z71zekz71z5mmx7z71ziz70zxz80zz65zq\">sreihe<\/span><span class=\"author-a-f0d1z69zqz78z4z70zz78zz67zz78z0z82zii\"> reflektieren und gemeinsam dar\u00fcber nachdenken, welche Erkenntnisse uns bei der Bew\u00e4ltigung unserer heutigen Herausforderungen helfen k\u00f6nnen. Abschlie\u00dfend wollen wir ein kleines St\u00fcck linker Geschichte im Viertel sichtbarer machen und uns daf\u00fcr auf die <strong>Spur Rudolf Leonhards<\/strong> begeben.<br \/>\n<\/span><\/div>\n<div class=\"ace-line\"><\/div>\n<div class=\"ace-line\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/_migrated\/RTE\/RTEmagicC_RLS_Logo-einzeilig-flatter_unten_links_de.jpg.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"40\" \/>\u00a0\u00a0\u00a0 <em>Die Veranstaltungsreihe wird gef\u00f6rdert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung<\/em><\/div>\n<div id=\"magicdomid16\" class=\"ace-line\"><\/div>\n<hr \/>\n<h4><\/h4>\n<h4>Veranstaltungstermine<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-80822 alignright\" src=\"https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-483x1024.png\" alt=\"\" width=\"388\" height=\"823\" srcset=\"https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-483x1024.png 483w, https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-141x300.png 141w, https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final-768x1628.png 768w, https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/hinten-final.png 1181w\" sizes=\"(max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><\/h4>\n<p><strong>12. Oktober &#8211; 20 Uhr | AZ Conni | Lesung und Diskussion mit Bini Adamczak | Beziehungsweise Revolution &#8211; 1917, 1968 und kommende<\/strong><br \/>\n<em>in Kooperation mit dem Club der Verschwender*innen und <a href=\"http:\/\/critiquenact.blogsport.eu\">critique &#8216;n&#8217; act<\/a><\/em><\/p>\n<p>Im Oktober 2017 j\u00e4hrte sich die Russische Revolution zum 100. Mal. Anlass genug, die Ereignisse von 1917 durch das Prisma 1968 zu betrachten und beide Revolutionen in ein Verh\u00e4ltnis wechselseitiger Kritik zu bringen. W\u00e4hrend 1917 auf den Staat fokussierte, zielte 1968 auf das Individuum. In Zukunft m\u00fcsste es darum gehen, die \u00bbBeziehungsweisen\u00ab zwischen den Menschen in den Blick zu nehmen.<br \/>\n\u00bbBeziehungsweise Revolution\u00ab analysiert die revolution\u00e4ren Geschlechterverh\u00e4ltnisse als Verh\u00e4ltnisse, die zwischen Privatheit und \u00d6ffentlichkeit, \u00bbNahbeziehungen\u00ab und \u00bbFernbeziehungen\u00ab gekn\u00fcpft sind \u2013 das Geschlecht der Revolution. So tritt ein Begehren zutage, das nach wie vor seiner Realisierung harrt: das Begehren nach gesellschaftlichen Beziehungsweisen der Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>* Bini Adamczak lebt in Berlin und arbeitet als Autorin und K\u00fcnstlerin zu politischer Theorie, queerfeministischer Politik und der vergangenen Zukunft von Revolutionen.<\/p>\n<p><strong>20. Oktober &#8211; 12 Uhr | AZ Conni | Workshop | Einf\u00fchrung in die Kritik der politischen \u00d6konomie<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise ist vergleichsweise kurz, aber dennoch sehr beachtlich: gewaltige Kriege, ungeheurer Wohlstand neben der bittersten Armut, St\u00e4dte mit abermillionen Einwohnern, die drohende Vernichtung des globalen \u00d6kosystems. Bereits 1848 formulierten Marx und Engels im \u201eManifest der kommunistischen Partei\u201d diese Vision der kapitalistischen Epoche: \u201eDie fortw\u00e4hrende Umw\u00e4lzung der Produktion, die ununterbrochene Ersch\u00fctterung aller gesellschaftlichen Zust\u00e4nde, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verh\u00e4ltnisse mit ihrem Gefolge von altehrw\u00fcrdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgel\u00f6st, alle neu gebildeten veralten, ehe sie verkn\u00f6chern k\u00f6nnen. Alles St\u00e4ndische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit n\u00fcchternen Augen anzusehen.\u201d<\/p>\n<p>Lasst uns daher gemeinsam versuchen genau dies tun \u2013 die gesellschaftlichen Beziehungen mit n\u00fcchternen Augen betrachten. Obwohl laut Marx und Engels die Menschen dazu gezwungen sind, ergibt sich hieraus kein Automatismus, denn getan wird dies in den aller seltensten F\u00e4llen. Auch dort wo eine kritische Untersuchung der gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus noch am ehesten zu leisten w\u00e4re, wie in den sozialen Bewegungen und ihren institutionellen Ausformungen, wird kaum Klarheit \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse hergestellt.<\/p>\n<p>Daher m\u00f6chten wir anhand einer Einf\u00fchrung in das \u201eKapital\u201d zeigen, wie eine kritische und zugleich wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Gegenstand Kapitalismus aussehen kann. Dabei geht es jedoch nicht nur darum, \u201edas \u00f6konomische\u00a0 Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enth\u00fcllen\u201d. Mehr noch war Marx ein umtriebiger Revolution\u00e4r und mit der Einsicht in die innere Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise, so Marx, wird der Schein zerst\u00f6rt als sei diese Gesellschaftsformation irgendwie \u2019nat\u00fcrlich\u2018. Vielmehr zeigt sich, dass der Kapitalismus nur eine bestimmte historische Produktionsweise ist, und eine ziemlich verr\u00fcckte, gewaltvolle und zerst\u00f6rerische obendrein. Somit kommt Marx auch am Ende von ersten Band des Kapitals zu dem Schluss: \u201eAuf einem gewissen H\u00f6hegrad bringt sie [die kapitalistische Produktionsweise] die materiellen Mittel ihrer eignen Vernichtung zur Welt. Von diese Augenblick an regen sich Kr\u00e4fte und Leidenschaften im Gesellschaftsschosse, welche sich von ihr gefesselt f\u00fchlen.\u201d (MEW 23, S. 789) Im Angesicht der gegenw\u00e4rtigen Krisen ist daher ein genaues Verst\u00e4ndnis des Zusammenhangs der Grundlagen der gegenw\u00e4rtigen \u00f6konomischen Gesellschaftsformation wichtig. Wir freuen uns auf euch!<\/p>\n<p><strong>23. Oktober &#8211; 20 Uhr | AZ Conni | Vortrag des Anarchistischen Netzwerk Dresden | Die Anarchist*innen und die Revolution<\/strong><\/p>\n<div class=\"\" data-block=\"true\" data-editor=\"34ko5\" data-offset-key=\"808nc-0-0\">\n<div class=\"_1mf _1mj\" data-offset-key=\"808nc-0-0\">\n<p>Der Kampf gegen Autorit\u00e4t und Zentralisierung pr\u00e4gten die Ideen anarchistischer Revolution\u00e4r*innen seit dem 19. Jahrhundert. Wir wollen in dem Vortrag einen Schwerpunkt auf die Ereignisse um die Oktoberrevolution legen. Auf der Spur der Anarchist*innen wollen wir \u00fcber ihre Bedeutung f\u00fcr die Revolution reden und ihre damals zeitgen\u00f6ssische Perspektive auf das Scheitern. Der Verrat der Revolution f\u00fchrte zu massiver Repression gegen Anarchist*innen und Sozialrevolution\u00e4r*innen und der v\u00f6lligen Zerst\u00f6rung der anarchistischen Bewegung in der Sowjetunion.<\/p>\n<p>Dann erfolgt eine kurze Perspektive auf die Ereignisse in Deutschland zur Novemberrevolution 1918, die ohne die Ereignisse in Russland wohl nicht so stattgefunden h\u00e4tten. Anarchist*innen waren auf unterschiedliche Weise in die revolution\u00e4ren Ereignisse involviert. Doch der autorit\u00e4re Kommunismus breitete sich aus in der Welt der Arbeiter*innenbewegung nach der Oktoberrevolution und auch in anderen Revolutionen und Aufst\u00e4nden sind es die Anarchist*innen, die diesem zum Opfer fallen.<\/p>\n<p>So ist der Untergang der anarchistischen Bewegung nicht nur der Repression kapitalistischer Staaten und Monarchist*innen des 19. Jahrhunderts sowie den beiden Weltkriegen zu verdanken, sondern auch dem autorit\u00e4ren Kommunismus des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte lehrt uns, dass der autorit\u00e4re Gedanke die Konterrevolution beinhaltet und damit zwangsl\u00e4ufig zum Scheitern der Revolution f\u00fchrt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>09. November &#8211; 19 Uhr | AZ Conni | Filmvorf\u00fchrung und Diskussion | Die Dichter und die R\u00e4terepublik &#8211; Spurensuche einer vergessenen Revolution<em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die R\u00e4terepublik in M\u00fcnchen war einer von mehreren, in ihrer Intensit\u00e4t aber einer der weitreichendsten Versuche in Deutschland eine sozialistische Republik zu errichten. Befl\u00fcgelt von den revolution\u00e4ren Ereignissen in Ungarn \u00fcbernahm die proletarische Bewegung in M\u00fcnchen ab April 1919 die Macht. An der Bewegung nahmen auch so namhafte Gestalten wie Gustav Landauer und Erich M\u00fchsam teil. Doch auch diese Republik wurde letztlich durch ein B\u00fcndnis aus Mehrheitsozialdemokratie und Burgeosie niedergeschlagen &#8211; die milit\u00e4rische Eroberung M\u00fcnchens endete in einem Blutbad, diejenigen die dem Massaker entgingen, wurden &#8211; so auch Erich M\u00fchsam &#8211; zu langj\u00e4hrigen Haftstrafen verurteilt. Anhand einer Dokumentation wollen wir ins Gespr\u00e4ch kommen \u00fcber die Bedingungen der damaligen Revolutionsversuche und ihr Scheitern.<\/p>\n<p><strong>14. November &#8211; 20 Uhr | kosmotique | Vortrag mit Daniel Kulla | Revolution in Deutschland 1918 bis 1923<\/strong><\/p>\n<p>Die Novemberrevolution 1918 hat es gerade so ins landl\u00e4ufige Geschichtsbild geschafft, zumindest unter Linken geht sie noch bis Januar 1919 weiter. Der H\u00f6hepunkt der revolution\u00e4ren Bewegung im M\u00e4rz 1919 ist hingegen unter den diversen historischen Siegererz\u00e4hlungen fast verschwunden, was auch die R\u00fcckschau auf die weiteren Massenstreiks, Sozialisierungen und Erhebungen bis 1923 sowie die Folgegeschichte pr\u00e4gt. (Nazis redeten nicht gern genauer dar\u00fcber, wen sie da zusammengeschossen hatten und f\u00fcr wen; die SPD redete gar nicht gern dar\u00fcber, auf wen sie die ersten Nazis so alles hat schie\u00dfen lassen; die KPD redete nicht ganz so gern dar\u00fcber, auf wen geschossen wurde, wenn es nicht ihre Leute waren oder sich zumindest als solche reklamieren lie\u00dfen.)<\/p>\n<p>So ist das wichtigste revolution\u00e4re Vorbild in der deutschen Geschichte genau deshalb fast vergessen, weil es in so hohem Ma\u00df selbstorganisiert war und damit nicht in die \u00fcbliche nationale wie antinationale Vorstellung vom Deutschen passt, sich weder f\u00fcr Vereinnahmung noch als Schreckbild anbietet. Gleicherma\u00dfen in Vergessenheit geraten sind die Konsequenzen: Sowohl der Aufstieg des Nationalsozialismus als auch sein konkretes Erscheinungsbild \u2013 mehr als bei jedem anderen Faschismus eine Verkleidung als Arbeitskr\u00e4fterevolution \u2013 erscheinen ohne diese Vorgeschichte kaum begreiflich. Kulla schl\u00e4gt vor, die kommenden f\u00fcnf Jahre der revolution\u00e4ren 100. Jahrestage ab November 2018 dazu zu nutzen, diese Geschichte so sichtbar wie m\u00f6glich zu machen.<\/p>\n<p><strong>18. November &#8211; 12 Uhr | AZ Conni | Workshop mit Olaf Kistenmacher | Alle Macht den R\u00e4ten? Linke Organisationsformen in der Weimarer Republik<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber den Jahreswechsel 1918\/19 gr\u00fcndete sich die erste legale kommunistische Partei Deutschlands, die KPD. Sie ging aus dem Spartakusbund und anderen kommunistischen Organisationen, aber auch aus Splittergruppen wie der Antinationalen Sozialisten-Partei hervor. Auf dem Gr\u00fcndungsparteitag der KPD war es sogleich umstritten, ob eine radikale Linke eine Partei bilden soll, die sich zur Wahl stellt. R\u00e4tekommunistische Mitglieder betonten z. B., dass der entscheidende politische Kampf am Arbeitsplatz gef\u00fchrt werden m\u00fcsse. Zum Ende der zwanziger Jahre, mit dem Erstarken der nationalsozialistischen Partei, wurden noch andere Organisationsformen wie die Antifaschistische Aktion wichtig, um sich zu sch\u00fctzen und den \u00f6ffentlichen Raum nicht den Nazis zu \u00fcberlassen. Der Workshop wird sich in kritischer Perspektive mit den verschiedenen linken Organisationsformen zur Zeit der Weimarer Republik auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Olaf Kistenmacher, Historiker, schreibt f\u00fcr die Jungle World, Konkret und Phase 2. Vor zwei Jahren erschien seine Dissertation Arbeit und &#8220;j\u00fcdisches Kapital&#8221;. Antisemitische Aussagen in der KPD-Tageszeitung &#8220;Die Rote Fahne&#8221; w\u00e4hrend der Weimarer Republik.<\/p>\n<p><strong>5. Dezember &#8211; 19 Uhr | AZ Conni | Diskussion | Novemberrevolution &#8211; und weiter?<\/strong><\/p>\n<p>In der Diskussion wollen wir die Reihe revue passieren lassen. Was haben wir geh\u00f6rt und was haben wir nicht geh\u00f6rt? Welche Fragen kamen immer wieder auf und brauchen vielleicht mal mehr Zeit f\u00fcr Diskussionen? Und auf was k\u00f6nnen wir uns einigen? Gleichzeitig wollen wir auch endlich mal in die Gegenwart kommen und schauen was wir jetzt mit Novemberrevolution, R\u00e4tedemokratie und der Revolution so ganz allgemein anfangen k\u00f6nnen. Also f\u00fcr alle die dabei und vor allem auch die, dies nicht waren, kommt vorbei. Wir nehmen uns ca 3 Stunden inklusive Pause und Essen.<\/p>\n<p><strong>19. Dezember &#8211; 18 Uhr | Gr\u00fcne Ecke | Spaziergang | Zum Leben Rudolf Leonhards<\/strong><\/p>\n<p>Ohne das wir genaueres zu ihrem Namensgeber wussten, haben wir uns die letzten Jahre Tag f\u00fcr Tag die Rudolf Leonhard Stra\u00dfe hoch und runter bewegt, mal erheitert und beschwingt, mal beschwipst und des \u00f6fteren auch reichlich angeschlagen. Nun wird es Zeit einmal Licht ins Dunkel zu bringen, wer war Rudolf Leonhard und warum ist unsere Stra\u00dfe nach ihm benannt? Wir verraten schonmal so viel, mit Dresden hatte er nicht viel am Hut, daf\u00fcr aber umso mehr mit dem Thema unserer Veranstaltungsreihe. Auf unserm nicht sehr langen Weg durchs Viertel werden wir an ihn erinnern.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Organisatorisches<\/strong><\/p>\n<p>Die Veranstaltungen finden an zwei Orten statt:<\/p>\n<ul>\n<li>Alternatives Zentrum Conni, auf der Rudolf-Leonhard Stra\u00dfe 39, 01097 Dresden<\/li>\n<li>Kosmotique, auf der Luther Stra\u00dfe 13, 01099 Dresden<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das AZ Conni ist <strong>barrierefrei<\/strong> erreichbar \u00fcber die Haltestelle Schanzenstra\u00dfe und barrierefrei zug\u00e4nglich. Die Kosmotique ist nicht vollst\u00e4ndig barrierefrei betretbar. Alle Veranstaltungen sind <strong>kostenlos<\/strong> und wir k\u00fcmmern uns nach M\u00f6glichkeit um Verpflegung f\u00fcr alle. Bisher sind alle Vortr\u00e4ge und Workshops in <strong>deutscher Sprache<\/strong> geplant, wenn ihr gerne kommen wollt und eine \u00dcbersetzung ben\u00f6tigt, schreibt uns, wir versuchen \u00dcbersetzung zu organisieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>eine Veranstaltungsreihe im Herbst 2018 Von der euphorischen Stimmung des Aufbruchs in den Ersten Weltkrieg hatten das millionenfache Sterben und Leiden in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben, das Hungern in den D\u00f6rfern und St\u00e4dten der &#8220;Heimatfront&#8221; und die allseitige Pr\u00e4senz der Milit\u00e4rdiktatur der Obersten Heeresleitung kaum noch etwas \u00fcbrig gelassen, als am 29. 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