{"id":915,"date":"2014-12-18T10:44:03","date_gmt":"2014-12-18T08:44:03","guid":{"rendered":"http:\/\/azconni.de\/?p=915"},"modified":"2014-12-18T10:44:03","modified_gmt":"2014-12-18T08:44:03","slug":"statement-zum-toilettenumbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.azconni.de\/en\/statement-zum-toilettenumbau\/","title":{"rendered":"Statement zum Toilettenumbau"},"content":{"rendered":"<p>In den n\u00e4chsten Tagen wird die Sanierung der Toiletten im AZ Conni abgeschlossen sein. Diejenigen, die in den letzten Wochen das Haus besucht haben haben schon bemerkt, dass wir uns bewusst gegen die vorher vorhandene Trennung in Frauen- und M\u00e4nnerklo entschieden haben. Anstelle der insgesamt 3 Sitzklos und einer Pissrinne finden sich dort nun 6 Sitztoiletten, eine davon barrierefrei in einem extra Raum.<\/p>\n<p>Ist der Sinn und Zweck einer barrierenfreien Toilette wahrscheinlich offensichtlich (ein barrierefreier Zugang zum Haus wird im Rahmen der kommenden Sanierung entstehen), so w\u00fcrden wir gerne ein paar Worte dazu verlieren, wieso wir uns allgemein f\u00fcr Unisex und im speziellen f\u00fcr diese Variante des Toilettenumbaus entschieden haben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr Menschen, die sich nicht in die Kategorien m\u00e4nnlich\/weiblich einordnen lassen wollen\/k\u00f6nnen, ist der Gang auf eine geschlechtergetrennte Toilette oft mit der Angst verbunden, hinter jeder der beiden T\u00fcren als Eindringling wahrgenommen zu werden. Auch wenn wir im AZ Conni den Anspruch haben, dass Menschen sich unabh\u00e4ngig von den baulichen Gegebenheiten diskriminierungsfrei bewegen k\u00f6nnen sollen, so schafft der Umbau zu Unisex doch ein St\u00fcck soziale Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Kategorien m\u00e4nnlich und weiblich sind sozial konstruiert &#8211; aber dennoch im Alltag wirkm\u00e4chtig. So zu handeln, als existierten diese Kategorien nicht, bedeutet praktisch meist, Dinge implizit anhand der m\u00e4nnlichen Norm auszurichten. Denn das M\u00e4nnliche gilt in dieser Gesellschaft als das Neutrale, das Allgemeine, das Weibliche hingegen als die Abweichung von dieser Norm. Jegliche progressive Praxis muss sich demnach auch an den unmittelbaren negativen Folgen f\u00fcr alle Beteiligten messen lassen. Konkret fungieren getrenntgeschlechtliche Toiletten nicht nur als Ort, an dem Geschlecht konstruiert wird, sondern zuweilen dient die Frauentoilette auch als R\u00fcckzugsraum. Diese Funktion k\u00f6nnte in Zukunft vom separaten rollstuhlgerechten WC \u00fcbernommen werden. Generell sind ausgewiesene Schutzr\u00e4ume und besonders ein Umgang miteinander, der diese \u00fcberfl\u00fcssig macht, jedoch vorzuziehen.<\/p>\n<p>Wir haben uns bewusst gegen die Einrichtung von Pissoirs entschieden, um nicht das m\u00e4nnliche Privileg, immer und \u00fcberall \u00f6ffentlich urinieren zu k\u00f6nnen und an der Toilette weniger anstehen zu m\u00fcssen, weiter zu hofieren. Mit Urinellas oder speziellen Pissoirs ist es zwar theoretisch m\u00f6glich, dass auch Frauen im Stehen pinkeln, dies scheint aber nicht an sich erstrebenswert, sondern prim\u00e4r als Reaktion auf sehr ungleich verteilte Wartezeiten. Die jetzige L\u00f6sung mit insgesamt 6 klassischen Sitzklos erschien uns als die gerechteste und f\u00fcr alle praktikabelste.<\/p>\n<p>Sicherlich hindert dies dogmatische Stehpinkler nicht daran, ihr Tun nun auf die Sitztoiletten zu verlagern, wir sind jedoch optimistisch, dass ein Umdenken m\u00f6glich ist. Auch wenn R\u00fccksichtnahme als Argument ausreichen sollte, sei noch erw\u00e4hnt, dass es auch einfach viel entspannter und gem\u00fctlicher ist sich hinzusetzen. Und falls dir die Brille daf\u00fcr zu dreckig erscheint, kannst du sie in Zukunft mit Hilfe eines Hygienespenders in jeder Kabine kurz selbst reinigen. In diesem Sinne: Stand up for your rights, sit down while you piss!<\/p>\n<p>Zuletzt sei noch erw\u00e4hnt, dass Unisextoiletten im \u00f6ffentlichen Raum mittlerweile legal sind. Anderslautende nationale Gesetze wurden durch Deregulierung der EU aufgehoben. Genaueres dazu gerne auf Nachfrage.<\/p>\n<p>F\u00fcr mehr (emanzipatorisches) Unisex, nicht nur auf der Toilette!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>(Eine Version dieses Textes in Leichter Sprache ist in Arbeit)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den n\u00e4chsten Tagen wird die Sanierung der Toiletten im AZ Conni abgeschlossen sein. Diejenigen, die in den letzten Wochen das Haus besucht haben haben schon bemerkt, dass wir uns bewusst gegen die vorher vorhandene Trennung in Frauen- und M\u00e4nnerklo entschieden haben. 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