{"id":80491,"date":"2018-05-29T19:16:22","date_gmt":"2018-05-29T19:16:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.azconni.de\/?p=80491"},"modified":"2018-08-14T10:42:02","modified_gmt":"2018-08-14T10:42:02","slug":"kultur-politik-und-die-alternative-fuer-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/kultur-politik-und-die-alternative-fuer-deutschland\/","title":{"rendered":"Kultur, Politik und die &#8220;Alternative f\u00fcr Deutschland&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Zur diesj\u00e4hrigen Tolerade haben wir ein Flugblatt geschrieben, das wollen wir euch nat\u00fcrlich nicht vorenthalten. Besch\u00e4ftigt haben wir uns mit der AfD und ihrer bisherigen Kulturpolitik.<\/p>\n<p>Das PDF hier als Download <a href=\"https:\/\/www.azconni.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/afd-kulturpolitik.pdf\">afd-kulturpolitik<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>KULTUR, POLITIK\u00a0UND DIE \u201eAlternative f\u00fcr Deutschland\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Hallo liebe Besucher_innen der Tolerade 2018, ihr haltet ein Flugblatt des Alternativen Zentrum Conni in euren H\u00e4nden. Das AZ Conni ist ein seit vielen Jahren auf der Rudolf Leonhard Stra\u00dfe 39 ans\u00e4ssiges Projekt. Wir bieten einen Raum f\u00fcr selbstorganisierte und gemeinn\u00fctzige Veranstaltungen wie Vortr\u00e4ge, gemeinsame Abendessen, Parties und Konzerte &#8211; schaut gerne mal bei uns rein. Viel Spa\u00df beim Lesen und auf der Tolerade!<\/p>\n<p><em>Zentraler Bezugspunkt rechter Politik ist heute die Kultur. Schon die Rechte des 20. Jahrhunderts versuchte den Kulturbegriff als gemeinschaft-stiftendes Moment zu besetzen \u2013 allerdings dominierte bis zum Ende des zweiten Weltkriegs der Rassebegriff um Gemeinsamkeiten der &#8220;Deutschen&#8221; zu finden, wo keine sind und waren.(1) Heute ist die Kategorie &#8220;Rasse&#8221; verp\u00f6nt und auch wissenschaftlich vollst\u00e4ndig wiederlegt. Sowohl die Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD), als auch die Identit\u00e4ren und Neonazis bem\u00fchen sich darum, die deutsche Kultur als zentralen Bezugspunkt zu setzen. Im Folgenden wollen wir aufzeigen, welche kulturpolitischen Ideen und Strategien die AfD entwickelt hat und welche konkreten Schritte sie bisher \u2013 vor allem im Landtag \u2013 gegangen ist und zuletzt welche Gefahren daraus f\u00fcr eine freie Gesellschaft entstehen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Die F\u00f6rderung von Kunst und Kultur ist der AfD ein Dorn im Auge<\/strong><\/p>\n<p>Im Wahlprogramm der AfD zur Bundestagswahl 2017 hei\u00dft es: &#8220;Die AfD bekennt sich zur deutschen Leitkultur. Diese fu\u00dft auf den Werten des Christentums, der Antike, des Humanismus und der Aufkl\u00e4rung.&#8221;(2) Interessant ist hier der Bezug der Partei auf die Werte der Antike, einerseits da die Parallelen zwischen damals und heute mehr als d\u00fcrftig ausfallen, andererseits da dieser Bezug ein bei der neuen wie auch nationalsozialistischen Rechten h\u00e4ufiges Motiv ist. Die &#8220;deutsche Leitkultur&#8221; sieht die AfD in Gefahr, zum einen, da sie im Kulturkampf mit dem Islam den K\u00fcrzeren zu ziehen drohe; zum anderen ist die F\u00f6rderung von Kunst und Kultur durch Europ\u00e4ische Union und den Bund der AfD ein Dorn im Auge, da beide vom Multikulturalismus geleitete Anreize f\u00fcr &#8220;politisch korrekte&#8221; Kultur g\u00e4ben \u2013 die F\u00f6rderung soll L\u00e4nder sache werden. Es folgen dann noch ein paar Allgemeinpl\u00e4tze zur deutschen Sprache, der Abschaffung des Rundfunkbeitrags und der Freiheit des Internets, bevor es weiter geht zu Steuern und Finanzen \u2013 Moment, eines darf nicht fehlen: &#8220;Die aktuelle Verengung der deutschen Erinnerungskultur auf die Zeit des Nationalsozialismus ist [&#8230;] aufzubrechen [&#8230;].&#8221; Auf gerade mal zwei Seiten hat die Bundes-AfD so ihre Positionen zur Kulturpolitik umrissen. Es ist nicht viel, was die Partei ihrem Publikum an Inhalten anbietet, allerdings l\u00e4sst sich eines sehr deutlich ablesen: Kultur und Kunst sind in ihrer Lesart kein Feld von Experimentierfreudigkeit oder des Ausprobierens und Auslebens von Individuen, auch nicht von Diskursen. Es geht nicht darum, sich mittels Kunst der Wirklichkeit anzun\u00e4hern oder sich auch von ihr zu entfernen, unterschiedliche Deutungen zu Papier oder auf die B\u00fchne zu bringen und so eine Vielfalt zu schaffen, die sich gegenseitig befruchtet \u2013 die alles schafft, aber eben nicht eine in Stein gemei\u00dfelte Gewissheit der eigenen Identit\u00e4t konstruiert.<\/p>\n<p>Konkret hat die AfD seit der Wahl nicht viel zu Stande gebracht. In ihrer parlamentarischen Arbeit setzt die Partei vor allem auf kleine und gro\u00dfe Anfragen, um Themen zu setzen. Einer Analyse der Heinrich B\u00f6ll Stiftung Sachsen zufolge bringt es die hiesige Fraktion auf gerade einmal drei kleine und eine gro\u00dfe Anfrage sowie einen Antrag mit kulturpolitischer Bezug: Bei diesen ging es um die F\u00f6rderung nichtstaatlicher Kultureinrichtungen und um die Verankerung der deutschen Sprache als Kulturgut in der Landesverfassung. Auch in anderen Bundesl\u00e4ndern haben der Stiftung zufolge die AfD-Fraktionen kaum mehr Engagement in der Kulturpolitik entfaltet.(3) Um eine konkretere Vorstellung davon zu bekommen, welche Auswirkungen eine nationalistische und erzkonservative Regierung auf den Kulturbetrieb haben k\u00f6nnte, haben wir einenBlick ins benachbarte \u00d6sterreich geworfen. Im Bund regieren dort seit diesem Jahr die \u00d6VP und die FP\u00d6 in einer Koalition und auch in verschiedenen Bundesl\u00e4ndern, wie z.B. in Ober\u00f6sterreich, durfte sich die FP\u00d6 bereits an der Regierung probieren.<\/p>\n<p><strong>Mit AfD g\u00e4be es Lutherdenkm\u00e4ler statt kontroverser Kunst<\/strong><\/p>\n<p>In Ober\u00f6sterreich hat die FP\u00d6 ein radikales Sparprogramm hinsichtlich der zeitgen\u00f6ssischen Kunst durchgesetzt, die erwartungsgem\u00e4\u00df vor allem freie Tr\u00e4ger von Kultur hart getroffen hat. 67% der F\u00f6rdermittel f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst wurden seit dem Jahr 2001 gestrichen(4). Diese Linie will die neue Bundesregierung nun fortsetzen. Zentrales Element ihrer Kulturpolitik soll die Abkehr von der F\u00f6rderung kleiner und vielf\u00e4ltiger Projekte &#8211; genannt Gie\u00dfkannenprinzip &#8211; hin zur F\u00f6rderung sogenannter &#8220;Leuchtt\u00fcrme&#8221; sein. Leuchtt\u00fcrme, das sollen die gro\u00dfen Theater, Denkm\u00e4ler, die gro\u00dfen Ausstellungen und die kolossalen Geb\u00e4ude sein. Diese kulturellen &#8220;Leuchtt\u00fcrme&#8221; finden sich heute vor allem in den gro\u00dfen St\u00e4dten, selten, bspw. in Form von Denkm\u00e4lern, auch mal auf dem Land \u2013 eine solche F\u00f6rderungspolitik d\u00fcrfte die strukturelle Benachteiligung des l\u00e4ndlichen Raumes zementieren.<br \/>\nDesweiteren wird betont, dass Kulturf\u00f6rderung nicht als Existenzgrundlage sondern als &#8220;Sprungbrett&#8221; dienen m\u00fcsse, um die wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit zu erreichen und dass Kunst sich zunehmend auf die Finanzierung durch private Spenden st\u00fctzen solle. Hier zeigt sich ein zentrales Element welches FP\u00d6 und AfD verbindet, n\u00e4mlich der Glaube an den Markt als Steuerungselement. Welche Auswirkungen der Markt auf das Niveau von Kultur hat, l\u00e4sst sich seit Jahren an den Sendungen des privaten Fernsehens ablesen \u2013 heraus kommt eine weichgesp\u00fclte und h\u00f6chstens reaktion\u00e4r-politische Mischung aus Shoppingsendungen, Sitcoms und Actionkrachern. Wer sich auf das absolute Wohlwollen des Publikums verlassen k\u00f6nnen muss, um die eigene Existenz zu sichern, kann es sich in unserer Gesellschaft nicht leisten, provokative und politische Ausdrucksformen zu w\u00e4hlen. Geht es nach der konservativen Regierung, brauchen sich Kunstschaffende allerdings auch kaum mehr Gedanken \u00fcber die Auswahl ihrer St\u00fccke zu machen: Unter dem Label der &#8220;Kulturnation \u00d6sterreich&#8221; soll ein Kanon entworfen werden, der die heimatliche, um nicht zu sagen v\u00f6lkische, Kultur in den Mittelpunkt r\u00fcckt.<\/p>\n<p>Der Blick nach \u00d6sterreich zeigt, wir haben hierzulande viel zu verlieren. Kaum auszudenken, wie Theater, die sich gegen Rassismus und Nationalismus einsetzen, unter einer AfD-gef\u00fchrten Regierung wegkommen w\u00fcrden &#8211; statt &#8220;Tschick&#8221;, einer Geschichte eines integrationsunwilligen autoklauenden Russlanddeutschen, m\u00fcsste sich das Publikum wohl nicht nur im Dresdner Staatsschauspiel mit Deutscherem Zufrieden geben. Die Bilder geifernder Demonstrat_innen vor den drei Bussen auf dem Neumarkt blieben uns allerdings erspart, denn statt kontroverser Denkm\u00e4ler w\u00fcrde diese Regierung wohl eher einige weitere Lutherdenkm\u00e4ler oder gar eine Germania in Dresden errichten lassen, um an unsere vermeintlichen v\u00f6lkischen Wurzeln zu erinnern.<br \/>\nDas Beispiel Ober\u00f6sterreich zeigt, dass ein Abducken kultureller Einrichtungen unter dem Vorwand, dass man ja keine Politik sondern Kunst mache, nicht vor der politischen Entwicklung sch\u00fctzt. Stattdessen sollten wir Kultur- und Kunstschaffenden uns vergegenw\u00e4rtigen, was wir an der aktuellen Situation sch\u00e4tzen, aber auch was uns derzeit fehlt &#8211; f\u00fcr uns vom AZ Conni stellt sich bspw. schon heute das Unterworfensein unter den kapitalistischen Markt als Hemmnis der freien Entfaltung dar.<\/p>\n<p>In diesem Sinne denken wir: Kunst und Kultur k\u00f6nnen und d\u00fcrfen nicht unpolitisch sein! Dort, wo wir der Dystopie einer identit\u00e4ren Kunst Raum geben, die einen vorgeschriebenen Kanon wieder k\u00e4ut, kann Kultur nur verlieren! Eine an den Interessen des kapitalistischen Marktes orientierte Kulturpolitik m\u00fcssen wir zur\u00fcckweisen!<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine Kunst, die keine Sicherheiten schafft, sondern uns anregt, uns und <\/strong><strong>unsere Umgebung zu hinterfragen!<\/strong><\/p>\n<p>(1) Einen guten \u00dcberblick und Einstieg bietet der Wikipediaartikel \u201eRassismus ohne Rassen\u201c: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rassismus_ohne_Rassen<br \/>\n(2) https:\/\/www.kulturrat.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2017-06-01_AfD-Bundestagswahlprogramm_Onlinefassung.pdf<br \/>\n(3) http:\/\/www.weiterdenken.de\/sites\/default\/files\/uploads\/2017\/02\/manuela_luck_kulturpolitik_afd.pdf<br \/>\n(4) https:\/\/diesenreiter.at\/von-giesskannen-und-leuchttuermen<\/p>\n<p>www.azconni.de<br \/>\nV.i.S.d.P: Karl M\u00fcller, Dresden Hauptstra\u00dfe 13<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur diesj\u00e4hrigen Tolerade haben wir ein Flugblatt geschrieben, das wollen wir euch nat\u00fcrlich nicht vorenthalten. Besch\u00e4ftigt haben wir uns mit der AfD und ihrer bisherigen Kulturpolitik. Das PDF hier als Download afd-kulturpolitik \u00a0 KULTUR, POLITIK\u00a0UND DIE \u201eAlternative f\u00fcr Deutschland\u201c Hallo liebe Besucher_innen der Tolerade 2018, ihr haltet ein Flugblatt des Alternativen Zentrum Conni in euren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"tags":[],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"2.10.8","language":"fr","enabled_languages":["de","en","fr"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80491"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80491"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80698,"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80491\/revisions\/80698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}