{"id":81867,"date":"2020-04-06T17:36:48","date_gmt":"2020-04-06T17:36:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.azconni.de\/?p=81867"},"modified":"2020-04-06T17:36:49","modified_gmt":"2020-04-06T17:36:49","slug":"dezentralisierung-jetzt-schutz-vor-infektion-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.azconni.de\/fr\/dezentralisierung-jetzt-schutz-vor-infektion-fuer-alle\/","title":{"rendered":"Dezentralisierung Jetzt! Schutz vor Infektion f\u00fcr Alle!"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Aufruf des <a href=\"http:\/\/antiranetlsa.blogsport.de\/\">Antirassistischen Netzwerks<\/a> Sachsen-Anhalt angesichts der Situation in der Zentralen Aufnahmestelle Halberstadt<\/em><strong><a href=\"https:\/\/twitter.com\/AkAntiraMD\/status\/1246427052498173952\/photo\/1\">i<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Offener Brief des Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt<br> 4.4.2020<br> <a href=\"http:\/\/antiranetlsa.blogsport.de\/images\/2020_04_04_Corona_Zast.pdf\">Offener Brief als pdf<\/a><br> <em><br> \u201eDie Lage hier in der ZASt scheint zu eskalieren. Wenn nicht schnell  etwas passiert, dann gibt es hier Tote.\u201c (Bewohner aus der ZASt,  1.4.2020)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWir werden heute 12:00 Uhr in den Hungerstreik treten. Die \nZust\u00e4nde nach einer Woche Quarant\u00e4ne sind unaushaltbar.\u201c (Bewohner*in \naus der ZASt, 4.4.2020)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl Bewohner*innen als auch Sozialarbeiter*innen berichten, dass \nes keine ausreichende Versorgung gibt und die gesamte Situation \nchaotisch und sehr angespannt ist. Verantwortliche behaupten, die \nSituation sei unter Kontrolle und die Menschen ausreichend versorgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur aktuellen Situation in der Zentralen Anlaufstelle f\u00fcr Asylbewerber*innen (ZASt):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more weiterlesen-->\n\n\n\n<p>Rund 850 Menschen leben aktuell in der ZASt, alleinreisende \nGefl\u00fcchtete, genauso wie Familien. Trotz des Wissens im Vorhinein, dass \ndie Wohn- und Lebensverh\u00e4ltnisse, wie sie in der ZASt vorzufinden sind, \neine Gefahr f\u00fcr die Menschen durch eine massenhafte Ansteckung mit dem \nCornavirus bedeuten, wurden keine Schritte eingeleitet, um die \nGefl\u00fcchteten dezentral unterzubringen.<br>\nBereits Ende M\u00e4rz wurde ein Bewohner positiv auf den Coronavirus \ngetestet, woraufhin alle Bewohner*innen des Lagers, also 850 Menschen, \nunter Quarant\u00e4ne gestellt wurden. Am Donnerstag (2.4.2020) waren es \nbereits 20-30 \u201epositive F\u00e4lle\u201c.<br>\nZum einen haben sich in den vergangenen Tagen die Bewohner*innen nach \nau\u00dfen an Unterst\u00fctzer*innen gewandt und die drastische Lage vor Ort \ngeschildert. Zum anderen haben die zust\u00e4ndigen Stellen des Land \nSachsen-Anhalt, die f\u00fcr die Versorgung der ZASt zust\u00e4ndig sind, um Hilfe\n gebeten, da sie eine notwendige Versorgung der Menschen nicht mehr \nsicherstellen k\u00f6nnen. Ein solidarisches, zivilgesellschaftliches \nNetzwerk in Halberstadt wurde vom Landkreis in die konkrete \nUnterst\u00fctzung miteinbezogen, Geld f\u00fcr Eink\u00e4ufe f\u00fcr eine zus\u00e4tzliche \nVersorgung bereitgestellt, Zugang zur ZASt gew\u00e4hrt. Nach einer \nKrisensitzung von Verantwortlichen gestern stellt sich aktuell die Lage \nwieder neu dar und es ist fraglich, ob eine solidarische und aber \ndringend notwendige Versorgung der Menschen stattfinden kann, da aus \nSicht des Innenministeriums die Versorgung in der ZASt gesichert sei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die erste Woche unter Massenquarant\u00e4ne haben uns Bewohner*Innen wie folgt dargestellt:<\/strong><br>\n<br>\nDas Lager ist nun in 5 Quarant\u00e4nebl\u00f6cke aufgeteilt. Alle Bewohner*innen \nsollen getestet werden. Infizierte Menschen werden in ein extra Lager \nnach Quedlinburg gebracht. Die Abholung infizierter Personen ohne \nErkl\u00e4rung l\u00f6sen Panik unter den Bewohner*innen aus. Hier spielt die \nkollektive, permanente Erfahrung einer st\u00e4ndig drohenden Gefahr von \nAbschiebungen eine wesentliche Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Es herrscht ein Mangel an aktuellen Informationen \u00fcber Infektionsm\u00f6glichkeiten mit Covid-19 und den Folgen daraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen k\u00f6nnen die Geb\u00e4ude nicht mehr verlassen. Sie f\u00fchlen sich eingesperrt und isoliert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Menschen ist es schlichtweg nicht m\u00f6glich, sich selbst oder \nandere zu sch\u00fctzen, da die Unterbringung weiterhin mit bis zu f\u00fcnf \nPersonen in einem Raum erfolgt. Duschen und Toiletten werden weiterhin \ngemeinschaftlich benutzt. Der gebotene Infektionsschutz ist nicht \ngegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es herrschte ein Mangel an Desinfektionsmittel, Hygieneartikeln und Toilettenpapier.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es eine rudiment\u00e4re Essensversorgung durch eine zentrale \nKantine gibt, ist diese Versorgung unzureichend und mangelhaft. Eine \nProblematik die auch grunds\u00e4tzlich schon lange Thema ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurden Hamburger Gitter aufgebaut, um mitten in der Pandemie \nEssenswarteschlangen zu bilden. Gerade Warteschlangen sind aber der \nGrund, weshalb Mensen an Hochschulen und Kantinen l\u00e4ngst geschlossen \nsind.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch das Ausgangsverbot k\u00f6nnen sich die Menschen selbst nicht mit \ndem N\u00f6tigsten, wie Nahrungsmittel, Hygieneartikel sowie Toilettenpapier \netc., versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Personal der Security, das in der Vergangenheit immer \nwieder Gewalt gegen Bewohner*Innen ausge\u00fcbt hat, ist nun auch rund um \ndie Uhr Polizei vor Ort. Mit beiden, Security und Polizei, haben die \nBewohner*innen i.d.R. Erfahrungen, die von Gewalt und Repression \ngepr\u00e4gte sind. Auch in der jetzigen Situation ist davon auszugehen, dass\n die Androhung und Anwendung von Gewalt ein Mittel zur Beherrschung der \nLage ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherheitspersonal als auch Sozialarbeiter*innen und alle anderen \nMitarbeiter*innen betreten und verlassen t\u00e4glich das Gel\u00e4nde und das \nLager, w\u00e4hrend die Bewohner*innen eingesperrt werden. Auch hier scheint \nes kein ernstzunehmendes Konzept zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist festzuhalten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es herrschen unhaltbare Zust\u00e4nde seit dem Ausbruch der \nCorona-Pandemie in der ZASt in Halberstadt, die im Vorhinein h\u00e4tten \nverhindert werden k\u00f6nnen. Das Land konnte tagelang die Versorgung von \n850 Gefl\u00fcchteten nicht ausreichend sicherstellen. Die Bewohner*innen \nwaren und sind weiterhin massiver gesundheitlicher Gefahr ausgesetzt, \nwerden isoliert und menschenunw\u00fcrdig behandelt. Es war nur eine Frage \nder Zeit, bis sich das Virus auch in einem Massenlagern wie der ZASt, \naber auch in anderen Lagern, wie z.B. in Krumpa im Saalekreis oder in \nder Breitscheidstra\u00dfe in Magdeburg, ausbreiten werden. Nichtsdestotrotz \nwurden von Seiten der Verwaltung keinerlei Vorbereitungsma\u00dfnahmen \nergriffen \u2013 ein erstaunlicher Vorgang, denn \u00fcberall sonst sind \nAnsammlungen von mehr als zwei Menschen verboten und private \nZusammenk\u00fcnfte werden als \u201eCorona-Parties\u201c gewertet, aufgel\u00f6st und \nbestraft.<br>\nWarum gelten die neuen Standards also nicht f\u00fcr die Massenunterk\u00fcnfte \nvon Gefl\u00fcchteten? Solch ein Handeln ist nicht nur ignorant, sondern grob\n fahrl\u00e4ssig im gesamtgesellschaftlichen Kontext und rassistisch im \nBesonderen, wenn wir darauf schauen, welche Menschen eine derartige \nBehandlung trifft. Die Verantwortlichen m\u00fcssen daf\u00fcr zur Verantwortung \ngezogen werden!<br>\nDie Bewohner*innen der ZASt k\u00f6nnen so nicht weiterleben. Drastische \nVer\u00e4nderungen sind n\u00f6tig, um nicht in einer unvorhersehbar langen \nDauerschleife aus potentieller Infektionsgefahr h\u00e4ngen zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir fordern von den verantwortlichen Politikern und \nPolitikerinnen, wie Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) und anderen \nVerantwortlichen im Landesverwaltungsamt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1. Eine dezentrale Unterbringung von Gefl\u00fcchteten, und zwar sofort \nund dauerhaft. Wir fordern die Schlie\u00dfung der Massenunterbringungen, wie\n der ZAST und allen anderen Lagern in Sachsen-Anhalt. F\u00fcr die dezentrale\n Unterbringung bietet sich an, den vorhandenen Leerstand in Halberstadt \n(und wahlweise ebenso in den anderen Landkreisen) zu Gunsten der \nGefl\u00fcchteten zu nutzen und sie in Wohnungen unterzubringen. Hierf\u00fcr sei \nauch auf das positive Beispiel Halle\/S. verwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit von allen Menschen! \nD.h. ein umfassender Infektionsschutz und ein uneingeschr\u00e4nkter Zugang \nzur Gesundheitsversorgung unabh\u00e4ngig vom Pass oder Aufenthaltsstatus.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Ein Ende der Sanktionen bzw. die finanziellen M\u00f6glichkeiten, damit\n die Menschen sich mit dem Notwendigen versorgen k\u00f6nnen. Bei \nQuarant\u00e4nef\u00e4llen muss die Versorgung mit ausreichenden Mengen an \nHygieneartikeln und angemessener, immunst\u00e4rkender Nahrung garantiert \nsein.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Schaffen Sie kurzfristig neue Stellen f\u00fcr Sozialarbeiter*innen, \nmedizinisches Personal, psychologische Betreuung und juristische \nBeratung von Gefl\u00fcchteten!<\/p>\n\n\n\n<p>5. Frauen, Kinder und vulnerabel Personen verdienen besonderen Schutz\n vor Gewalt, wie sie in Lagern allgegenw\u00e4rtig ist als auch vor \nh\u00e4uslicher Gewalt. Eine ausreichende Beratung, Betreuung als auch \nSchutzr\u00e4ume und H\u00e4user m\u00fcssen erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Wir fordern kurzfristigen Zugang f\u00fcr solidarische Menschen in die \nZASt als auch in andere Lager um die Betroffenen zu versorgen und zu \nunterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sachsen-Anhalt, 4.4.2020<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden in den kommenden Tagen weiter berichten, die Stimme der \nBetroffenen h\u00f6rbar machen und die Situation vor Ort weiter kritisch \nbegleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr Informationen finden sich hier<a href=\"http:\/\/antiranetlsa.blogsport.de\/\">: blog<\/a><br>\nVideos und Botschaften aus der ZASt werden hier ver\u00f6ffentlicht (in Arbeit):<a href=\"https:\/\/bit.ly\/34bdIa2\">youtube<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Pressekontakte:<br>\nAlex: 0178-1393790, vom Solidarit\u00e4tsnetzwerk in Halberstadt<br>\nHelen: 0157-38303546<br>\nE-Mail: antiramd[at]riseup.net<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">: <a href=\"http:\/\/antiranetlsa.blogsport.de\/2020\/04\/04\/halberstadt-dezentralisierung-jetzt-schutz-vor-infektion-fuer-alle-solidaritaet-mit-den-hungerstreikenden-der-zast-in-halberstadt\/\">http:\/\/antiranetlsa.blogsport.de\/2020\/04\/04\/halberstadt-dezentralisierung-jetzt-schutz-vor-infektion-fuer-alle-solidaritaet-mit-den-hungerstreikenden-der-zast-in-halberstadt\/<\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufruf des Antirassistischen Netzwerks Sachsen-Anhalt angesichts der Situation in der Zentralen Aufnahmestelle Halberstadti Offener Brief des Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt 4.4.2020 Offener Brief als pdf \u201eDie Lage hier in der ZASt scheint zu eskalieren. 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