Krise in Zeitlupe – Teil 2
1. Juni 2022

Ab Juni startet der zweite Teil unserer Veranstaltungsreihe « Krise in Zeitlupe? Die Covid-19-Pandemie und die Folgen für linke Kritik und Praxis ».

Bei Veranstaltungen im Haus (Saal, Kneipe) gilt weiterhin 2G+ . Wenn die Veranstaltungen draußen stattfinden, ist ein tagesaktueller Test erwünscht , aber nicht zwingend notwendig. Im AZ Conni gilt weiterhin im gesamten Haus die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (OP oder FFP2 Maske).
Hier gibt es noch einmal alle Ankündigungen von Teil 2 im Überblick:

Di, 07.06 Verschwörungsideologien – ein Bindeglied zwischen demokratiefeindlichen Akteur:innen? Ein Blick auf Verschwörungsideologien und demokratiefeindliche Mobilisierung im Kontext der Corona-Pandemie

Verschwörungsideologien haben in der Corona-Pandemie Konjunktur. Als Antwort auf gesellschaftliche Krisenerfahrungen bieten sie schon seit Jahrhundeten ein einfaches Weltbild, mit klaren Schuldigen und autoritären Gemeinschaftskonzepten. Der „Lösungsvorschlag“ ist dabei stets der gleiche. Die ‚Volksfeinde‘ und ‚Verschwörungsbanden‘ sollen verfolgt werden, dann werde alles wieder gut. Das bedroht nicht nur konkrete Menschen, sondern verschleiert auch reale Interessenskonflikte und gesellschaftliche Herausforderungen. Im Kontext der Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen konnte in den letzten zwei Jahren beobachtet werden, welche scheinbar überraschenden Allianzen sich in der Zustimmung zu verschwörungsideologischen Erzählungen rund um das Virus zusammenfinden. Auf diese Schanierfunktion von Verschwörungsideologien soll in diesem Vortrag genauer eingegangen werden: Wer glaubt an Verschwörungsideologien und welche Rolle spielen dabei politische und weltanschauliche Perspektiven?

Di, 14.06.: Ritualisierte Umsturzfantasien – Rechte Netzwerke in der Pandemie

Mit dem ART Dresden

Die Corona-Pandemie und die politischen Maßnahmen zu ihrer Eindämmung haben in Sachsen früh Akteur*innen aus dem rechtsnationalistischen Milieu auf den Plan gerufen. Etablierte Vernetzungen, die im Zuge der rassistischen Mobilisierungen seit 2015 entstanden sind, wurden reaktiviert und zudem Versuche unternommen Kontakte zu anderen, oftmals alternativ geprägten Milieus zu knüpfen. Das Ziel blieb wie 2015 das gleiche: Reaktionäre Umsturzfantasien sollten in der Krisensituation vorangetrieben werden.
In der Veranstaltung werfen wir einen Blick auf die zeitlichen Abläufe, die Akteur*innen und ihre ideologischen Motive. Und wir wollen diskutieren, welche Schlussfolgerungen die antifaschistische Bewegung angesichts der Mobilisierungen der Pandemie-Leugner*innen ziehen kann.

Fr, 24.06.: Wie proben wir den Aufstand aus der Küche, wenn wir das Haus nicht verlassen dürfen? Feministische Bewegungen in Zeiten der Pandemie zwischen Selbstsorge, Streik und Aufstand

Referentin: Constanze Stutz
« Wir werden nicht zur Normalität zurückkehren, denn die Normalität war das Problem… » proklamierte Das transnationale feministische Manifest zu Beginn der Pandemie. Zwei endlose Jahre später scheint von der Hoffnung auf eine umfassende gesellschaftliche Krisensituation als Möglichkeitsfenster emanzipatorischer Politik kaum noch etwas übrig zu sein. Neben Krisen und Kriegen stehen Erschöpfung und Ohnmacht der Einzelnen im Vordergrund der politischen Auseinandersetzungen, Engagement und Bewegungen. Welche Auswirkungen also hatte der Ausbruch und die politische Bearbeitung der Covid-19 Pandemie in den letzten Jahren auf transnationale feministische Bewegungen?
Constanze Stutz widmet sich in ihrem Vortrag einer Kartographierung der Verschiebungen der Organisationsformen, Forderungen und kollektiven Praxen feministischer Bewegungen. Entlang von vier Schlaglichtern zum Verhältnis von Feminismus und Revolution, zeigt sie, wie und warum sich ein feministisches Revolutionsverständnis grundlegend von bekannten Vorstellungen einer gewaltvollen großen Umwälzung unterscheidet und vorgreifend, tastend schon im Hier und Jetzt das ganz andere sucht (und gelegentlich auch findet).
Warum also Kämpfe um Reproduktion – soziale wie ökologische – und das Geschlechterverhältnis im Herzen der Revolution liegen, wie Bini Adamczak schreibt. Formen des Widerstands zwischen Streik und Aufstand, zwischen Selbstveränderung und Veränderung der Verhältnisse, zwischen Enteignung der Körper und der Mittel zur Reproduktion rücken damit in den Mittelpunkt einer feministischen Auseinandersetzung um revolutionäres Begehren und die Frage, wie eine andere Gesellschaft herzustellen ist und einzurichten wäre. Wie diese Frage sich auch in der vierten bis fünften Welle der Corona Pandemie kollektiv bearbeiten lässt, wird im Anschluss an den Vortrag gemeinsam diskutiert.

Di, 05.07., 17-21 Uhr: Ignorieren? Positionieren? Argumentieren? – Handlungsfähig gegen menschenverachtende Einstellungen und Aktivitäten

Argumentationsworkshop mit dem Kulturbüro Sachsen
Engagierten müssen oftmals im Familien-, Freundes- und Kolleg*innenkreis oder auf der Straße Rede und Antwort stehen, ihre Aktivitäten verteidigen oder grundlegende demokratische und humanistischen Werte verteidigen. Im Workshop werden wir uns über Strategien und Reaktionsmöglichkeiten informieren und der Frage nachgehen, in welchen Situationen es sinnvoll ist, mit anderen ins Gespräch zu kommen – und wie das vielleicht gelingen kann. Es werden Grundlagen im Argumentieren und Positionieren gegen rechts diskutiert und erarbeitet.     
Anmeldung erforderlich, die Teilnehmendenzahl ist auf 12 Personen begrenzt! 
Anmeldung bis 28.06. per Mail an kuk@azconni.de

Di, 12.07., 17-20 Uhr: Meine Freiheit – Deine Freiheit – Demokratische Zumutungen in Zeiten von Corona

Betzavta-Workshop mit dem Kulturbüro Sachsen
Wer entscheidet im Krisenfall, wenn Zeitnot und Unwissen regieren? Welche Mittel sind angemessen? Was passiert mit demokratischen Entscheidungswegen? Die Maßnahmen gegen das Coronavirus haben auch in Deutschland dazugeführt, dass einige Grundrechte teilweise massiv eingeschränkt wurden – mit dem Ziel andere Grundrechte zu schützen – wie etwa das Recht auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit (Art. 2). Im Workshop erleben und diskutieren wir diese demokratischen Dilemmata anhand von Übungen aus dem erfahrungsbasierten Bildungsansatz des Programms „Mehr als eine Demokratie // Betzavta“ des ADAM Instituts Jerusalem. Eingeladen sind alle Menschen, die sich für das Thema interessieren.
Anmeldung bis 29.06. per Mail an kuk@azconni.de

Di, 19.07.: Quarantäne und Kritik – Rückblick nach zwei Jahren Pandemie

Podiumsgespräch mit Kampagne NAUS, Gruppe Polar, AIL und ABC

Mehr als zwei Jahre hatte die Corona-Pandemie die Gesellschaft in ihrem Griff. Von Lockdowns und Grundrechtseingriffen über Lockerungen bis zu Finanzhilfen wurde vor allem der Staat gemäß seiner Funktion zum zentralen Krisenmanager. Wenig überraschend versuchte er mit mal mehr und mal weniger nachvollziehbaren Maßnahmen die Kapitalakkumulation am Laufen zu halten – auf Kosten der Freiheit und Sicherheit seiner Bürger*innen.
Jedoch standen auch radikale Linke und Anarchist*innen vor Herausforderungen. Eine Eindämmung der Pandemie erschien auch aus staatskritischer Sicht sinnvoll, um Menschenleben zu retten. Gleichzeitig wurden die Folgen der Krise wieder einmal auf die verwundbarsten Teile der Gesellschaft abgewälzt. Zu kritisieren gab es also genug. Doch schon die ersten öffentlichkeitswirksamen Aktionen wurden von der Polizei konsequent unterbunden. Nichtsdestotrotz wurden Forderungspapiere geschrieben und Kampagnen gestartet, um die zahlreichen Missstände anzugreifen. Gleichzeitig entstand eine diffuse politische Bewegung gegen die staatlichen Maßnahmen, die mit der Zeit immer offener ins rechte und verschwörungstheoretische Milieu abrutschte und die zunehmend zum Fokus linker Aktionen wurde, was ebenso auch Kritik erfuhr.
Nach mehr als zwei Jahren Pandemie wollen wir gemeinsam zurückschauen und auswerten, wie unsere politische Praxis aussah. Welche Strategien waren erfolgreich, wo hätten die Dinge anders laufen sollen? War die Linke regierungsunkritisch? Wie ist unser Verhältnis zu staatlicher Autorität, zu Repression gegen Querdenken, zur Impfplicht und anderen Corona-Maßnahmen? 
Und natürlich ergeben sich daraus auch Fragen für zukünftige politische Strategien. Denn eines ist sicher: Die nächste Krise kommt bestimmt!

Mehr als zwei Jahre hatte die Corona-Pandemie die Gesellschaft in ihrem Griff. Von Lockdowns und Grundrechtseingriffen über Lockerungen bis zu Finanzhilfen wurde vor allem der Staat gemäß seiner Funktion zum zentralen Krisenmanager. Wenig überraschend versuchte er mit mal mehr und mal weniger nachvollziehbaren Maßnahmen die Kapitalakkumulation am Laufen zu halten – auf Kosten der Freiheit und Sicherheit seiner Bürger*innen.
Jedoch standen auch radikale Linke und Anarchist*innen vor Herausforderungen. Eine Eindämmung der Pandemie erschien auch aus staatskritischer Sicht sinnvoll, um Menschenleben zu retten. Gleichzeitig wurden die Folgen der Krise wieder einmal auf die verwundbarsten Teile der Gesellschaft abgewälzt. Zu kritisieren gab es also genug. Doch schon die ersten öffentlichkeitswirksamen Aktionen wurden von der Polizei konsequent unterbunden. Nichtsdestotrotz wurden Forderungspapiere geschrieben und Kampagnen gestartet, um die zahlreichen Missstände anzugreifen. Gleichzeitig entstand eine diffuse politische Bewegung gegen die staatlichen Maßnahmen, die mit der Zeit immer offener ins rechte und verschwörungstheoretische Milieu abrutschte und die zunehmend zum Fokus linker Aktionen wurde, was ebenso auch Kritik erfuhr.
Nach mehr als zwei Jahren Pandemie wollen wir gemeinsam zurückschauen und auswerten, wie unsere politische Praxis aussah. Welche Strategien waren erfolgreich, wo hätten die Dinge anders laufen sollen? War die Linke regierungsunkritisch? Wie ist unser Verhältnis zu staatlicher Autorität, zu Repression gegen Querdenken, zur Impfplicht und anderen Corona-Maßnahmen? 
Und natürlich ergeben sich daraus auch Fragen für zukünftige politische Strategien. Denn eines ist sicher: Die nächste Krise kommt bestimmt!

Eine Veranstaltungsreihe des AZ Conni in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.