Stellungnahme zu den übermalten Israel-Tags im Haus
1. Juni 2018

English below

Aus aktuellem Anlass möchten wir erneut auf die 2015 verfasste Stellungnahme der Vollversammlung des AZ Conni hinweisen.

In letzter Zeit sind uns immer wieder übermalte Tags in den Räumen des AZ Conni aufgefallen. Die an die Wand gezeichnete Fahne Israels wurde mehrfach übermalt, durchgestrichen oder gar mit Hakenkreuzen „ergänzt“, aus „Free Gaza from Hamas“ wurde „Free Gaza“ gemacht. Des Weiteren wurden pro-israelische Aufkleber abgerissen und Flyer zum Palituch landeten stapelweise in der Feuertonne. Wir sind uns bewusst, dass es im AZ durchaus inhaltliche Differenzen und Auseinandersetzungen gibt und gab. Auf Grund der Vehemenz sowie durch Teile der vertretenen Inhalte mit der/denen dieser Diskurs an den Wänden geführt wird, halten wir es aber für notwendig, dazu Stellung zu nehmen und so diese Debatte von einer symbolischen auf eine inhaltliche Ebene zu überführen.

Es ist nicht unser Ziel, Einzelpersonen im oder um das Haus zu diffamieren oder anzuprangern, dennoch kritisieren wir die derzeitigen Übermal-Aktionen für ihre unverkennbare Anschlussfähigkeit an Antisemit*innen. Zweifelsohne steht die Fahne Israels für einen kapitalistischen Staat, in dem es wie überall sonst Mechanismen der Ausbeutung, des Ausschlusses sowie Patriotismus gibt. Wer aber diese Verhältnisse kritisieren will, sollte den Universalismus des kapitalistischen Staatsmodells im Allgemeinen anprangern und nicht durch das Übermalen der Fahne Israels im Besonderen die Notwendigkeit dieses Staates als Schutzraum für die von Antisemitismus verfolgten Jüdinnen* und Juden* negieren.

Weiterhin ist es für uns weder zu rechtfertigen, noch zu tolerieren, wenn es zur Solidarisierung mit der Hamas oder der Gleichsetzung Israels mit dem nationalsozialistischen Deutschland kommt. Liest man die immer noch gültige Gründungscharta der Hamas, so stößt man auf ein antisemitisches Manifest, wie auch auf die offene Leugnung der Shoah. Das Hakenkreuz in der Fahne stellt zudem eine Relativierung des Nationalsozialismus dar und offenbart geschichtsvergessene, reaktionäre und antisemitische Einstellungen, die leider auch in der Linken Tradition haben. Die deutsche beziehungsweise europäische Schuldabwehr, die diese Gleichsetzung mit sich bringt, wird derart in linke Rhetorik übernommen und durch sie transportiert. Antisemitismus ist eine falsche Projektion, die versucht, alles subjektiv als „böse“ und „schlecht“ Wahrgenommene den Jüdinnen* und Juden* zuzuschreiben. Jedoch ist die offene Äußerung dieser Ideologie in der heutigen Zeit weitgehend tabuisiert, und wird somit durch verschiedene alternative Projektionen ersetzt, in denen „die Wurzel allen Übels“ beispielsweise in der Klasse der Großkapitalist*innen, bestimmten Konzernen oder vermeintlich besonders „imperialistischen“ Staaten verortet wird. So wird besonders Israel als Staat der Jüdinnen* und Juden* gleichzeitig zum „Juden unter den Staaten“ konstruiert. Diese Projektionsleistung entlarvt sich als solche, wenn Jüdinnen* und Juden* außerhalb Israels stellvertretend für ihre (vermeintliche) jüdische Identität und den sogenannten zionistischen Terror Israels, dessen Siedlungspolitik und Kriegsführung im Nahen Osten angefeindet, bedroht und angegriffen werden.

Israel hat als Schutzraum, für alle von Antisemitismus Betroffenen, eine Sonderrolle zu erfüllen, wobei er wie kein Zweiter mit Doppelstandards, Dämonisierungen und dem ständigen Versuch seiner Delegitimierung konfrontiert wird. Gerade aus diesem Klima der Feindseligkeit heraus sehen wir das Recht auf Existenz und Selbstverteidigung dieses Staats als notwendig und indiskutabel an.

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With regard to current events – Statement on the over painted Israel-tags inside the house

written by the General Assembly of AZ Conni (first publication: 2015).

Recently it repeatedly came to our attention that tags have been painted over in the rooms of the AZ Conni. Israeli-flags on the wall have repeatedly been painted over, crossed out or have even been “supplemented” with swastikas; the slogan “Free Gaza from Hamas” has been turned into “Free Gaza”. Additionally, pro-Israeli stickers have been torn off and leaflets concerning the kaffiyeh (Palestinian headscarf) have been thrown in large numbers into the burning barrel. We are aware of the fact that there are and always have been different political views and arguments in AZ Conni. Due to the vehemence the discourse on the wall is held with and due to part of the opinions that are propagated, we find it necessary to take a stand in this debate and, by this, transform it from a symbolic to a more content related level.

It is not our intention to blame or denounce individuals that are part of the project AZ Conni or associated with it. Still we criticize the current over painting actions for their clear connectivity towards anti-Semites. Without doubt, the Israeli flag stands for the capitalist state, which, like every other, contains mechanisms of exploitation, exclusion and patriotism. If one wants to criticize these conditions, he_she should address the general model of a capitalistic state and not especially negate the necessity of this state as a shelter for Jews who are persecuted by anti-Semitism.

Furthermore, solidarizing with Hamas or equate Israel and National Socialist Germany is neither justifiable nor tolerable for us. Reading the still valid founding document of Hamas you will find an anti-Semitic manifest as well as the open denial of the shoah. The swastika put inside the flag relativises National Socialism and indicates an ahistorical and reactionary anti-Semitic attitude, which unfortunately also has a tradition within the political left. Thus, the German, or respectively European, denial of guilt implicated by this equalization is transformed into leftist rhetorics and furthermore propagated by these. Anti-Semitism is a false projection trying to chalk/blame everything subjectively perceived as “evil” or “bad” up to/onto the Jews. However, today the open expression of this ideology is widely tabooed and therefore substituted by alternative projections that locate the “root of all evil” in the class of major capitalists, certain companies or states that are supposed to be especially ‘imperialistic’. Following this logic, particularly Israel as the state of the Jews is constructed as the ‘Jew among the states’. These projections unmask themselves when Jews are attacked, threatened or become a target of hostility outside of Israel as representatives for their (assumed) Jewish identity and Israel’s so-called Zionist terror meaning its policies regarding settlers and warfare in the Middle East.

Isreal fulfills a special role as an area of protection for everyone affected by anti-Semitism, while, like no other state, being confronted with double standards, demonization and the permanent attempt to be delegitimized. This climate of hostility especially proofs this state’s right to exist and to defend itself as necessary and not to put into question.